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Gehirnwäsche konkret

Gehirnwäsche konkret

Ein Buch wirft einen genauen Blick auf das Unterrichtsmaterial an deutschen Schulen. Oft ist dieses schlampig gemacht und manipulativ.

Dass die Corona-Inszenierung und die Art und Weise, wie das Volk diese Inszenierung artig schluckte und darüber hinaus selbst befeuerte, nicht aus dem Nichts kam, ist längst gesagt worden. Und dass es etliche andere Inszenierungen schluckte und befeuerte und dies weiterhin tut, ebenso. Die Wirklichkeit der westlichen Zivilisation — über andere kann ich nicht zuverlässig sprechen — hat sich in ein unentwirrbares Inszenierungs- beziehungsweise Narrativknäuel verwandelt, ein Knäuel, das schon seit geraumer Zeit an keine Wirklichkeit mehr heranreicht, außer an diejenige, die es selbst als Inszenierungsgeflecht darstellt. Das Ganze auf einem kognitiv unterirdischen Niveau.

Auch dass es Indoktrinationen sind im Sinne einer Dauergehirnwäsche, die das bewerkstelligt haben und weiterhin bewerkstelligen, ist bereits festgehalten worden. Indes, wie das im Einzelnen und im Kleinen konkret vonstattenging und -geht — und nur im Kleinen vollzieht sich das Große —, dazu existiert nicht allzu viel Material. Hauke Arach, ehemaliger Gymnasiallehrer in Niedersachsen, leistet mit seinem Buch einen wichtigen Beitrag hierzu. Er hat etwas Naheliegendes getan, das bisher kaum einer getan hat: Er hat nämlich exemplarisch Lehrmittel genau gelesen. Und er berichtet davon in einer Sprache, hinter der sich nichts verstecken kann. Schon gar nicht der erkenntnistheoretische Super-GAU, den er in diesen Büchern, die man den Schülern als Bildung vorsetzt, angetroffen hat.

Die Stärke seines Vergleichs ergibt sich aus dem Ansatz, das Große im Kleinen aufzuzeigen und so die Gehirnwäsche an einzelnen konkreten Beispielen herauszustellen. Gänzlich ohne vorgelagerte Ideologie. Er nimmt die Lehrmittel berühmter Verlage wie Klett und Westermann zur Hand, Stufe 8 bis10, und analysiert thematisch eingegrenzte Bereiche aus Geschichte, Biologie, Erdkunde und Politik. Und wenn ich von „analysieren“ spreche, so ist präziser zu sagen: Er „liest“ exakt, was da steht, und allein dieses Lesen legt die Indoktrination frei, welcher deutschsprachige Schüler, die mit diesen Lehrmitteln versorgt werden, ausgesetzt sind.

Machtverschleierung

Dass der Autor punktuell die herangezogenen Stellen mit Passagen vergleicht, die der gleiche Verlag zum gleichen Thema in den Neunzigern publiziert hat, macht die Entwicklung von Lehrmitteln hin zu Propagandainstrumenten gänzlich transparent. Einzelne Fragestellungen und Formulierungen legen die kognitive Verarmung und die auf die Generierung politisch gewollter Weltbilder ausgelegten Narrative frei und stehen insofern stellvertretend für die Entwicklung der westlichen Zivilisation insgesamt.

Innerhalb des Fachs Geschichte fokussiert Arach auf die Darstellung der beiden Weltkriege, auf den Vietnamkrieg, auf den Jugoslawienkrieg, auf 9/11, die RAF, die deutsche Wiedervereinigung und die Darstellung Afrikas. In erschlagender Weise arbeitet der Autor hierbei heraus, was für den westlichen Kapitalismus konstitutiv ist und also in die Schülerköpfe hineinsoll, nämlich: Kapitalismus gibt es gar nicht. Er findet nicht statt in den Geschichtsbüchern, wie Arach explizit schreibt. Und damit gibt es auch keine Macht, keine westliche zumindest.

Die Geschichtslehrmittel von Klett und Co. sind auf der ganzen Linie Beiträge zur Machtverschleierung. Dass Kapitalinteressen das Geschehen diktieren oder auch nur mitbedingen: Ein abwesendes Konzept. Und wenn die USA irgendwo eingreifen, dann nie des Kapitals wegen, sondern stets, um zu helfen.

Arach — sehr bedeutsam innerhalb einer Systemdissidenz, die teilweise ein vollkommen unreflektiertes Verhältnis zum Kapital hat — zeigt, dass sich dieses „Muster“ wie ein roter Faden durch Darstellung und „didaktische“ Fragen vom Ersten Weltkrieg bis zur „Entwicklungshilfe“ in Afrika und zur Privatisierung des Wassers zieht. Anstelle von Kapitalinteressen werden einfache Konzepte von Nationalismen und weitere mythische Strukturen als Ursachen für Geschehnisse vorgeschoben, oftmals „alternativlos“. Dass dabei das Bild Afrikas weiterhin, wenn nicht gar wieder verstärkt ein kolonialistisches ist — die woke Genderkultur als Auferstehung kolonial-kapitalistischer Konzepte —, verdeutlicht Arach anhand einer Fotografie aus dem Klett-Geschichtsbuch: Unter dem Stichwort „Entwicklungshilfe“ arbeitet ein Weißer an einer Röhre, während die Afrikaner rundherum stehen und zuschauen.

Kritische Distanz gestrichen

Die Tatsache, dass bei geopolitischen Themen mit Professor Michael Epkenhaus ein leitender Wissenschaftler am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam als Autor fungiert, verdeutlicht, dass letzte aufklärerische Züge aus der Bildungslandschaft Deutschlands gewichen sind: Ein von der Bundeswehr bezahlter Autor bei der Darstellung von Inhalten, bei denen die NATO eine zentrale Rolle einnimmt, und die von einem emanzipativ-aufklärerischen Ansatz her verlangte kritische Distanz zur Sache schließen sich gegenseitig aus. Allein schon durch die Autorenwahl wird also deutlich: Bildung in der westlichen Welt ist zur Propaganda verkommen. Auch das stellt Arach gänzlich ohne vorgelagerte Ideologie heraus.

Nicht erstaunen kann es deshalb, wenn über die mittlerweile selbst bei Wikipedia als Kriegslügen angeführten „Rechtfertigungsgründe“ für das westliche Vorgehen gegen Serbien im sogenannten Jugoslawienkonflikt — konkret für die Zerbombung der zivilen Infrastruktur im ganzen Land — die Schüler von heute kein Wort erfahren. Auch nicht, wenn im Hinblick auf die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki durch die USA die Schüler gefragt werden, „inwieweit“ — exakt dieses Wort wird verwendet — der Abwurf angesichts einer dadurch erzielten Verkürzung des Krieges gerechtfertigt gewesen sei. Die Rechtfertigung des Abwurfs an sich ebenso wie der vorgeschobene Grund der Kriegsverkürzung wird als Wirklichkeit fraglos vorausgesetzt und in die Gehirne gespült — lediglich über ein relatives „inwieweit“ (kein „ob“!) sind die Schüler angehalten nachzudenken. Das ist nur eines der vielen Beispiele, wie Gehirnwäsche bei Klett und Co. funktioniert, und die Hauke Arach mit seiner präzisen Lektüre herausstellt.

Erwartbar sodann auch — in der konkreten Durchführung indes doch verstörend —, wie die deutsche Schuld an den über 25 Millionen russischen Toten im Zweiten Weltkrieg auf monströse Weise relativiert, wie die gewaltigen Opferzahlen Russlands überhaupt relativiert und zuweilen unsichtbar gemacht werden. Und dies bereits 2018.

Im Bereich der Biologie fokussiert Arach auf die Themen Viren, Impfung und Pandemien. Dabei zeigt sich: Die Warnung vor dem Denken, ausgegebenen vom ehemaligen RKI-Chef Lothar Wieler anlässlich der Corona-Inszenierung, ist auch das Motto, das die Darstellung im Lehrbuch prägt. Dass Statistiken und Zahlen teilweise gänzlich ohne Quellenangaben und Referenzrahmen, also vollkommen bezugslos, den Schülern vorgehalten werden, liegt auf der Linie des nach Michael Nehls („Das indoktrinierte Gehirn“) intendiert herbeigeführten neuronalen und damit erkenntnistheoretischen Super-GAUs.

Auch die Beispiele aus dem Fach Erdkunde (Klimawandel) und aus dem Fach Politik zeigen, wie die geistige Katastrophe über Tiefenindoktrination in kleinen Schritten herbeigeführt wird. Dass auch im Rahmen von Themenstellungen um Kapital und Arbeit keine kritische Sicht auf Kapital vorkommt, ist besonders erschreckend. Die prekären Arbeitsverhältnisse werden didaktisch mit folgender Frage sediert: „Sind die prekären Arbeitsverhältnisse Ausdruck moderner Selbstbestimmung oder eine Form der Verteilung knapper werdender Arbeit?“ Die Schüler dürfen zwischen zwei Optionen wählen ...

Am besten funktioniert Gehirnwäsche, wenn sie nicht von Zynikern, sondern von bereits leergewaschen Gehirnen selbst vollzogen wird.

Die obige Frage scheint mir ein guter Beleg dafür. Wie auch die nachfolgende „Definition“ von Medien, die Arach als Beispiel anführt:

„In der freiheitlichen Demokratie sind die Medien frei. Sie entscheiden selbst, was sie veröffentlichen wollen, und haben auch das Recht, an Informationen zu gelangen. Es gibt ferner keine Zensur.“

Nein, das ist kein Lehrmittel für die 1. Klasse Grundschule, sondern eines, das ausschließlich an Gymnasien zum Einsatz gelangt.

Darf man an Nachruhm interessiert sein …

Wie stark Muster aus der Alltagsindoktrination sich mit der Tiefenindoktrination verzahnt haben, zeigt Hauke Arach anhand eines Beispiels aus dem Lateinunterricht, den er ansonsten nicht eigens beleuchtet. Ausgangsbezugspunkt ist ein Brief des antiken Autors Plinius, der die Honoratioren seiner Heimatgemeinde Como auffordert, ihre Kinder nicht mehr nach Rom zu senden, sondern Geld für eine eigene Schule in Como zu sammeln. Er werde dann das gesammelte Geld für den angepeilten Zweck verdoppeln.

Unter dem fraglos vorausgesetzten „Aspekt“ Philanthropie — allein schon diese „Verknüpfung“ logisch haarsträubend — sind sodann die Köpfe von Bill Clinton, Angelina Jolie — deren Vorname falsch, nämlich mit „Angela“ wiedergegeben ist — und Bill Gates abgebildet. Weil das geistige Niveau dieses Klett-Erzeugnisses paradigmatisch einfangend ist, zitiere ich das Interview aus dem Spiegel, das der Klett-Verlag beziehungsweise die Lehrmittelmacher für angemessen halten, um als Teil des Lateinunterrichts zu fungieren. Es ist ein Interview mit Bill Gates.

Frage: „Niemand hat Sie dazu gedrängt, als Philanthrop zu wirken. Warum behalten Sie Ihren Reichtum nicht für sich?“

Gates: „Natürlich hätte ich das Geld, das ich durch meinen Erfolg mit Microsoft verdient habe, meinen Kindern schenken und es für es Yachten oder andere Dinge ausgeben können. Aber ich habe mich entschieden, das Geld für die Ärmsten zu verwenden. Das ist die Freiheit unseres ökonomischen Systems. Und ich hoffe, dass mehr Menschen meinem Beispiel folgen. Mit anderen reichen Spendern teile ich ein wunderbares Gefühl: Ich genieße es zu helfen. Diese Aufgabe ist sehr erfüllend.“

Als ob das — ohne eine einzige kritische Frage — an Machtverschleierung, Kritiklosigkeit und in der Summe an Gehirnwäsche nicht allein schon genug wäre, fordert das Klett-Lehrmittel die Schüler didaktisch dazu auf, zu diskutieren, „ob es moralisch fragwürdig ist, als Förderer von caritativen und sozialen Projekten auch an Nachruhm interessiert zu sein.

Arach schreibt: „Auf solch eine sinnfreie Aufgabe muss man erst einmal kommen.“ Um dann zu folgern, dass das Wesentliche verschleiert und in den Köpfen stattdessen das Schlagwort „Philanthrop“ und das Konzept „den Ärmsten helfen“ verankert werde. Sinnfrei ist dies mit Bezug auf das, was Gates im Interview sagt — er spricht nicht vom Nachruhm —, und gänzlich in Bezug auf Latein; nicht aber wenn es darum geht, Schüler zu Termiten zu erziehen. An die Impfopfer unter jenen, die in Gates‘ philanthropische Projekte hineingeraten sind, wird jedenfalls keiner denken, der mit solchen Lehrmitteln gewaschen wird.

Die DDR war differenziert dagegen

Hat man im Westen damals nicht über das Weltbild, das in der DDR (angeblich) verbreitet wurde, gelacht? Dieses Weltbild aber war im Vergleich zu dem, was sich an Weltbild in der Westzivilisation auf ganzer Breite eingestellt hat, mehrschichtig und fast schon wirklichkeitsnah.

Was heutzutage in den deutschen Schulen betrieben wird, hat mit irgendeiner Wirklichkeit nichts mehr zu tun. Die deutschsprachige „Bildungslandschaft“ ist nicht bloß in einem desolaten Zustand, sie befindet sich in der Auflösung.

Allein die Lehrmittel weisen es aus. Ergänzend sei hierzu der jüngst publizierte Beitrag von Bernd Schoepe auf den Nachdenkseiten empfohlen.

Bildung im Zentrum der Abwärtsspirale

In einer kurzen Einleitung ordnet Hauke Arach, sich explizit auf Rainer Mausfeld beziehend, seine Arbeit theoretisch ein, indem er zwischen Aktualindoktrination — über Medien erfolgend — und Tiefenindoktrination unterscheidet. Für die Tiefenindoktrination ist die Bildung zuständig. Allein daraus ergibt sich ihre immense Bedeutung im Hinblick auf die zivilisatorischen Prozesse, die im Gange sind. Folglich spielen Lehrmittel, die in der Bildung Verwendung finden, eine entscheidende Rolle. Mit ihnen wird die Wirklichkeit der Schüler, also der heranwachsenden Gesellschaft, konstituiert. Und zu dieser Wirklichkeit gehören die reflektorischen Fähigkeiten.

Unnötig zu wiederholen, welch irreversible Schädigungen Lehrmittel, wie sie Arach vorstellt, diesbezüglich generieren. Wer gute Zensuren will, muss die vorgelegte Wirklichkeit lernen, wiedergeben, verinnerlichen. Eine bittere Realität für Schülerköpfe. Der Fokus der Systemdissidenz ist also dringend auf Bildung zu legen.

Dass Personen, welche die Schulbücher auf- und zubereiten, mittlerweile allein schon an der deutschen Grammatik scheitern — im Mathematik-Lehrmittel, das unsere Tochter am Gymnasium verwendet, sind Aufgabenstellungen sprachlogisch mitunter so falsch, dass die Aufgaben auch mathematisch verstellt und zuweilen unlösbar werden —, wirft ein Licht darauf, wie umfassend die Bildungsakteure selbst vom erkenntnistheoretischen Super-GAU geprägt sind. Es sind also — ich wiederhole diesen Aspekt, weil er zentral ist — keine erkennenden Zyniker und Strategen, die man das Werk tun lässt, sondern Menschen, die selbst hirntechnisch ausgewaschen sind. Das erhöht den Zuverlässigkeitsfaktor abermals.

Fazit

Hauke Arachs kleines Werk macht an ganz konkreten Beispielen deutlich, wie sehr die Bildungslandschaft zu einem Wäschereibetrieb verkommen ist.

Wenn ich ergänze, dass Schuldirektoren ihre Schüler an Weihnachten vor übergroße Ukraine- (2022) und Israelflaggen (2023) stellen — sie im Grunde also missbrauchen —, so verdeutlicht dies, wie wichtig es ist, diese reingewaschene Bildungslandschaft als Kernproblem zu erkennen.

Hauke Arach leistet mit gezielt ausgewählten, handfesten und fassbaren Beispielen einen wesentlichen Beitrag. Eine assoziativ breit ausgestellte Rezension dazu hat Hans-Jürgen Bandelt auf tkp verfasst.


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