Was unterscheidet Menschen, die durch Aktien Geld verdienen möchten, ohne dafür zu arbeiten, von Menschen, die vom Staat Sozialhilfe beziehen, also Geld erhalten, ohne dafür zu arbeiten? Die einen werden als erfolgreich und clever gefeiert und bewundert, die anderen als Schmarotzer verunglimpft. Welchen Einfluss hat das Vermögen oder Nichtvermögen eines Menschen auf sein Selbstbild und die Wahrnehmung durch andere? Und was genau bedeutet Kapitalismus überhaupt? Während ursprünglich nur gemeint ist, dass sich Produktionsanlagen in Privatbesitz befinden statt in staatlicher Hand, wirkt Kapitalismus heutzutage auf viel komplexere und unkontrollierte Weise zerstörerisch für die meisten Menschen.
Es wäre für alle Mitglieder der Gesellschaft aus allen Einkommensschichten dringend an der Zeit, innezuhalten, um das eigene Weltbild und das eigene Selbstbild einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen. Die wirtschaftlichen Zwänge werden unbewusst bei den meisten Menschen als natürliche oder unvermeidbare Gegebenheiten akzeptiert, statt sie als historisch gewachsene und veränderbare soziale Konstrukte zu hinterfragen. Moderne Individuen haben die Logik des Systems — Wettbewerb, Konsum, Leistungsdruck — längst internalisiert und vergessen, sich viel wichtigere Fragen zu stellen: zum Beispiel, wie sie gern leben würden, bevor sie sterben, und was sie selbst dazu beitragen können, welche Bedürfnisse für sie wesentlich sind.
Über diese Zusammenhänge tauschen sich Max Otte und Elisa Gratias im Gespräch für Manova und Transition TV aus, und wünschen sich, so mehr Menschen zu Offenheit und kontroverser Debatte zu inspirieren.
Elisa Gratias im Gespräch mit Max Otte
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