Von Jill Clark-Gollub und Margaret Flowers
Im Juni erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 4. Dezember zum alljährlichen Internationalen Tag gegen unilaterale Zwangsmaßnahmen und forderte die Mitgliedsstaaten dringend dazu auf, solche Maßnahmen (allgemein als „Sanktionen“ bezeichnet) zu beenden, da sie gegen das Völkerrecht verstoßen und kollektiven Bestrafungen entsprechen.
Am 3. Dezember würdigten die Kampagne „SanctionsKill“ und ihre Partner diesen Tag, indem sie Referenten zu einem Webinar mit dem Titel „Blockaden und Zwangsmaßnahmen: Stoppt den Krieg gegen Kinder!“ einluden, um über die Folgen dieser Maßnahmen für Kinder aus vier Ländern zu diskutieren.
Diese Veranstaltung war auch der Startschuss einer Kampagne, in der Beschäftigte im Gesundheitswesen den US-Kongress und die Exekutive der US-Regierung auffordern, diese Zwangsmaßnahmen einzustellen, da sie ebenso viele Menschen töten wie bewaffnete Konflikte — vor allem Kinder.
Das Webinar, das von Americas Without Sanctions, einem Projekt von SanctionsKill, organisiert wurde, gab Referenten aus Kuba, Nicaragua, Venezuela und Palästina eine Stimme. Dr. Margaret Flowers von Popular Resistance und SanctionsKill sowie Dr. Adlah Sukkar von *Doctors Against Genocide“ moderierten die Veranstaltung.
Das Programm wurde mit einem Ausschnitt aus einer neuen Dokumentation über Kuba, „Healthcare Under Sanctions“, eröffnet, die veranschaulicht, warum Kinder unter Sanktionsregimen sterben. Zu den Auswirkungen auf das Gesundheitssystem Kubas gehören unter anderem folgende:
- Das Gesundheitssystem kann medizinische Geräte aufgrund fehlender Ersatzteile nicht instand halten, da deren Erwerb auf dem Weltmarkt blockiert wird.
- Pharmaunternehmen und andere Länder weigern sich aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen der USA, lebensnotwendige Güter und Medikamente zu verkaufen.
- Durch Sanktionen verursachte finanzielle Verluste schränken die finanziellen Mittel ein, die für den Kauf von Medikamenten und anderen Hilfsgütern zur Verfügung stehen.
Infolge der jüngsten Verschärfung der Wirtschaftsblockade steigt nun die Kindersterblichkeit in Kuba an, nachdem sie bisher niedriger als in den USA war.
Obwohl die Vereinigten Staaten häufig behaupten, dass Ausnahmeregelungen in ihren Sanktionsmaßnahmen den Kauf von Medikamenten und anderer lebensnotwendiger Güter wie Lebensmittel nicht beeinträchtigen, stellt es sich in der Realität so dar, dass Ausnahmen in Sanktionsregimen nicht funktionieren.
Sanktionierte Staaten werden daran gehindert, lebensnotwendige Güter im Ausland zu kaufen, darunter nicht nur das im Gesundheitssystem Benötigte, sondern auch Material für die Landwirtschaft und für die Herstellung anderer lebensnotwendiger Güter.
Im Anschluss an den Film gab der erste Redner der Podiumsdiskussion, Zeiad Abbas Shamrouch, ein palästinensischer Flüchtling aus dem Westjordanland und Geschäftsführer der Middle East Children´s Alliance (MECA), ein herzzerreißendes Zeugnis der Traumata, die palästinensische Kinder seit 1948 erlebt haben.
Er sagte: „Es gibt keine Kindheit für palästinensische Kinder“, die in Familien geboren werden, die kaum überleben können unter der kollektiven Bestrafung, die ihnen durch israelische Sanktionen, Ausgangssperren und Menschenrechtsverletzungen auferlegt werden.
Shamrouch betonte, dass vor Beginn des sichtbaren Völkermords am 7. Oktober 2023 ein stiller Völkermord in Gaza stattfand — aufgrund der 16 Jahre dauernden Blockade, während der Zehntausende Menschen starben, weil es ihnen nicht möglich war, den Gazastreifen zu verlassen, um medizinische Versorgung oder auch Covid-Impfungen zu erhalten.
Derzeit erlebt die palästinensische Bevölkerung einen unwirksamen Waffenstillstand, bei dem bis jetzt 365 Menschen durch Schüsse und Bomben getötet wurden. Darüber hinaus sind 9.600 Kinder unter fünf Jahren akut vom Hungertod bedroht, weil sie von Lebensmitteln und Medikamenten abgeschnitten sind.
Und 32.000 Menschen, die von Israel verwundet wurden — darunter 5.000 Kinder —, werden bald sterben, weil sie daran gehindert werden, Gaza zu verlassen, um medizinische Versorgung zu erhalten.
Währenddessen unternehmen die USA, die diesen „Waffenstillstand“ überwachen, nichts, um Israel zur Rechenschaft zu ziehen.
Seit 2018 im Visier: Nicaragua
Die nächste Sprecherin, Yorlis Luna aus Nicaragua, erzählte von der Kollektivbestrafung, die ihr Volk aufgrund der wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen der USA noch immer erleidet. Sie war geboren worden, kurz nachdem ein Stellvertreterkrieg und Sanktionen der USA ihr Land verwüstet hatten und eine neue, den USA freundlich gesinnte Regierung der Bevölkerung weder eine Gesundheitsversorgung noch Bildung zur Verfügung stellte, was ihre eigene Gesundheit beeinträchtigte.
Als Teenager erlebte sie die Rückkehr einer beliebten Regierung an die Macht und damit enorme Verbesserungen im täglichen Leben. Doch die sozialistisch orientierte Regierung Nicaraguas mit ihrer unabhängigen Außenpolitik ist seit 2018 Ziel einseitiger Zwangsmaßnahmen — auch als „Sanktionen“ bekannt — seitens der USA.
Yorlis sagt, dass die Verschärfung der Sanktionen zwar die Menschen demoralisieren soll, das Land sich jedoch widersetzt, in dem es seine Ernährungssouveränität vorantreibt und sich zunehmend auf einheimische Medizin und andere lokale Produkte verlässt, um wirtschaftlichen Angriffen weniger ausgeliefert zu sein.
Keine Zoom-Sitzung mit Kuba
Dr. Mariuska Forteza Saéz, Leiterin der pädiatrischen Onkologie am Nationalen Institut für Onkologie und Radiobiologie in Kuba, sandte Grüße über Video, da Zoom aufgrund der Blockade in ihrem Land nicht erlaubt ist. Dr. Forteza sprach stolz darüber, dass Kuba eine Krebs-Überlebensrate von 65 Prozent erreicht hat — bemerkenswert für ein Land mit niedrigem Einkommen.
Diese guten Ergebnisse werden jedoch durch neue Zwangsmaßnahmen der USA beeinträchtigt. Das medizinische Personal in Kuba muss sehr kreativ sein, wenn es Lösungen für seine Patienten finden möchte, da es zunehmend schwierig wird, die für die Behandlung benötigten wichtigsten Medikamente und Hilfsmittel wie beispielsweise Endoprothesen zu beschaffen.
Diese hochspezialisierten Behandlungen erfordern auch kontinuierliche Fortbildungen im Ausland, die kubanischen Ärzten aufgrund der Blockade oft verwehrt werden. Dennoch hat die Klinik von Dr. Forteza viele Erfolgsgeschichten mit ihren jungen Patienten vorzuweisen, darunter auch einen Teenager, der ein Osteosarkom überwand und später Athlet der Paralympics wurde.
In den Sanktionen gegen Venezuela geht es um Öl
Die letzte Teilnehmerin an der Podiumsdiskussion war Alison Bodina, Gründungsmitglied des Venezuela Solidarity Network, die über die Auswirkung der Sanktionen auf das südamerikanische Land sprach.
In den letzten Monaten erlebte Venezuela eine gewaltige US-militärische Aufrüstung in der Karibik, die sich psychologisch auf die gesamte Bevölkerung, einschließlich der Kinder, auswirkt. Das Land sieht sich jedoch mit diesen einseitigen Zwangsmaßnahmen — die bis dato schätzungsweise 100.000 zusätzliche Todesfälle verursacht haben — bereits konfrontiert, seit Präsident Barack Obama diese 2015 erstmals verhängte.
Die Sanktionen zielen auf Venezuelas Ölindustrie ab und entziehen den Maßnahmen der Bolivarischen Revolution zur Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Wohnraum die finanziellen Mittel. Dies wirkt sich nicht nur auf arme Kinder aus; Schwierigkeiten bei Banktransaktionen aufgrund der Sanktionen führten beispielsweise auch dazu, dass venezolanischen Kindern lebensrettende Heilbehandlungen wie spezielle Krebstherapien im Ausland verwehrt wurden.
Trotz der bedrückenden Thematik des Webinars eröffnete sich den Zuhörern eine wirksame Möglichkeit der Zusammenarbeit, um diese desolate Situation zu ändern. Dr. Flowers und Dr. Sukkar erläuterten die Kampagne „Health Workers Letter“, in der alle Fachkräfte im Gesundheitswesen — darunter Beschäftigte in den Bereichen öffentliche und psychische Gesundheit, ob in Ausbildung, in aktueller Berufsausübung oder im Ruhestand — aufgefordert werden, sich an der Forderung gegenüber der US-Regierung zu beteiligen, diese kindermordenden Maßnahmen zu beenden.
Wir schließen mit den Worten des kubanischen Außenministeriums an diesem ersten Internationalen Tag gegen unilaterale Zwangsmaßnahmen: „Und wieder fordern wir den Dialog und den Respekt vor den Menschenrechten und der Selbstbestimmung der Völker.“
Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Sanctions kill“ bei Consortium News. Er wurde von Gabriele Herb ehrenamtlich übersetzt und vom ehrenamtlichen Manova-Korrektoratteam lektoriert.
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