Die US-Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen weitere fünf iranische Öltanker attackiert. Die Schiffe sollen laut Centcom (U.S. Central Command), dem zentralen Kommando der US-Streitkräfte mit Einsatzgebieten unter anderem im Nahen Osten, als zugehöriger "Teil eines milliardenschweren Schattennetzwerkes" zur Finanzierung der IRGC und ihrer Stellvertreter in der Region fungieren (1). Als "Vergeltung" haben die Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) des Iran einen vom US-Militär genutzten Luftwaffenstützpunkt in Jordanien mit ballistischen Raketen angegriffen. Gleichzeitig kündigte der Iran an, spiegelbildlich Öltanker vor Bahrain und Kuweit zu zerstören. Beides sind Staaten, die den US-Krieg gegen den Iran aktiv unterstützen (2). Von den 20 Raketen, die auf den jordanischen Stützpunkt Al-Azraq (auch Muwaffaq Salti Air Base bekannt) zielten, sollen laut offiziellen jordanischen Quellen 18 abgeschossen und zwei weitere in unbesiedelten Gebieten abgestürzt sein (3). Die iranische Seite hingegen sprach von einem (weiteren) verheerenden Angriff (4). Die US-Luftwaffe hat dort Dutzende Kampfflugzeuge vom Typ F-35, F-16 und F-15, Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10C Warthdog sowie Reaper- Angriffsdrohnen stationiert. Außerdem wurde der Stützpunkt für Luftbetankungsflugzeuge und Hubschrauber genutzt (5).
Der Wahrheitsgehalt der beiderseitigen Aussagen zu den Auswirkungen des iranischen Raketenangriffs ist derzeit schwer prüfbar. Dass 20 Raketen im Einsatz waren, wird allerdings von beiden Seiten bestätigt. Das bedeutet aber auch, dass der Stützpunkt mit einer enormen Anzahl moderner wie teurer Patriot-Raketen verteidigt werden musste. Man spricht von 60 bis 100 PAC-3- Raketen, von denen jede, abhängig von der Variante, zwischen 3,4 und 8 Millionen US-Dollar bepreist ist (6). Das bedeutet, dass dem Pentagon allein dieser Einsatz zwischen 200 und 800 Millionen US-Dollar gekostet hat. Hintergrund ist, dass für die Abwehr jeder modernen ballistischen Rakete zwischen drei und fünf Abwehrraketen gestartet werden müssen (7). Es ist von Bedeutung, dass die USA um die Vergeltungsstrategie der iranischen Militärs wissen, ihnen also der Aufwand bekannt ist, mit dem die eigenen militärischen Objekte auf der arabischen Halbinsel geschützt werden müssen. So wie auch bekannt ist, dass die Vorräte an Patriot-Raketen bedenklich geschrumpft sind. Von etwa 2.300 Stück sind bis zum Juli des Jahres bereits 1.400 verbraucht wurden. Das bedeutet, dass die US-Streitkräfte allein zur Abwehr des oben erwähnten Angriffs ein Zehntel ihres verbleibenden Bestandes verschossen haben (7i). Das bewusste Kalkulieren mit schwindenden Patriot-Abwehrraketen ist umso bemerkenswerter, als die Kiewer Regierung seit vielen Monaten händeringend um diese, plus der Systeme selbst, bei ihren "Verbündeten" bittet (8).