NATO erhält Friedenspreis - Merz hält Laudatio
Was klingt wie ein Artikel im Postillon, ist tatsächlich geschehen: Die NATO wurde am Donnerstag im historischen Rathaus von Münster mit dem Internationalen Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet. Bundeskanzler Friedrich Merz hielt die Laudatio, NATO-Generalsekretär Mark Rutte nahm die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung entgegen. Gewürdigt wurde der angebliche Beitrag des Militärbündnisses zur europäischen Friedensordnung. Merz bezeichnete die NATO als „Allianz der Freiheit“, die seit drei Generationen für Sicherheit und Frieden bürge. Die Preisverleihung entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Seit Jahren unterstützen NATO-Staaten die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland mit Waffen, Ausbildung, Geheimdienstinformationen und milliardenschweren Finanzhilfen – eine weitreichende indirekte Kriegsbeteiligung, die von Kritikern auch als Stellvertreterkrieg bezeichnet wird, wenngleich die Ukraine ihre eigenen Verteidigungsinteressen verfolgt und die NATO offiziell keine Kriegspartei ist.
Gleichzeitig haben sich die Bündnisstaaten verpflichtet, ihre jährlichen verteidigungs- und sicherheitsrelevanten Ausgaben bis 2035 auf fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung zu erhöhen. Dass ausgerechnet das größte Militärbündnis der Welt inmitten einer historischen Aufrüstungswelle und eines seit Jahren andauernden Krieges an Europas Grenzen mit einem Friedenspreis ausgezeichnet wird, stieß auch bei Friedensorganisationen auf Protest. So gratulierte die katholische Friedensbewegung Pax Christi der NATO ironisch als „größter Friedensbewegung der Welt“ – mit Millionen kampfbereiten Mitgliedern und einem Billionenbudget.