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Der gestohlene Himmel

Der gestohlene Himmel

Totalitäre Regime versuchen immer, ihre Untertanen vom Licht und von den Farben fernzuhalten. Warum? Fortwährend Deprimierte sind leichter zu regieren.

„Der Wetteranzeiger stand immer auf ‚anhaltend trüb und schlecht‘“, vermerkt der österreichische Maler und Schriftsteller Alfred Kubin (1877 bis 1959) für die Hauptstadt eines Überwachungsstaates, den er 1909 in seinem Roman „Die andere Seite“ entwarf (1). Der Himmel, der sich über seinem alptraumhaften Traumreich spannt, ist „ewig trübe; nie schien die Sonne, nie waren bei Nacht der Mond oder Sterne sichtbar. Ewig gleichmäßig hingen die Wolken bis tief zur Erde herab. Das blaue Firmament war uns allen verschlossen“ (2). Ein eigentümliches Zwielicht beherrscht das ganze Land. Auch in George Orwells London von „1984“ bleibt der Himmel dauergrau. Totalitäre Staaten in der Literatur kennen keine azurblaue Unendlichkeit und keine Sonne.

Jetzt sind wir fast soweit. Einen wolkenfreien Himmel gibt es nur noch gelegentlich und an wenigen Orten. Ansonsten gehört ein anthrazit changierendes, tief hängendes Gewölk zur Kulisse der „Neuen Normalität“. Dachlose Gebäude in Weiß und Anthrazit bereiten seit 20 Jahren die egalisierende Tristesse vor. Häusersiedlungen und Wetter verschwimmen von den Alpen bis zum Meer in Schattierungen von Grau. Wenn sich die Sonne keinen Weg mehr durch die Streifenformationen von Kunstwolken brechen kann, nivellieren sich auch die Jahreszeiten wie in Kubins Traumreich:

„Ein fünf Monate langes Frühjahr — fünf Monate Herbst; dauerndes Zwielicht in der Nacht ... endlose Dämmerungen und ein paar Schneeflocken im Winter.“

Der Verlust von Farbe war auch das Markenzeichen der Deutschen Demokratischen Republik. Nicht umsonst sang die schrille Nina Hagen 1974: „Du hast den Farbfilm vergessen.“

Wer die innerdeutsche Grenze passierte, fand sich in einer graubraunen Welt wieder, die vier Feinde für sich reklamierte: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dies trifft allerdings auf jedes autoritäre Staatsgebilde zu. Deutschland ist bereits wieder „von Wirklichkeiten umstellt“, wie der bundesdeutsche Wirtschaftsminister eingestand.

Möchten wir weiterhin leben ohne den Trost des Himmels? Seine endlose Weite und seine makellosen Sahnewolken? Ein Dauer-Lockdown unter aufgeplusterten Aerosolbändern ausgestoßen von Tausenden von Düsenjets als Lebensperspektive?

Der Himmel war den Menschen über Jahrtausende wichtiger als die Erde. Ob Sonnenstand, Mondaufgang oder Sternbilder. Die himmlischen Erscheinungen waren Orientierung und Planungsgrundlage. Die Scheibe von Nebra oder Stonehenge — wer den Himmel lesen konnte, regierte die Welt. Jetzt haben wir bereits die Einschätzung für die Wetterentwicklung der nächsten Stunden verloren. In einem Kunsthimmel ist nichts mehr vorhersagbar.

Auch wenn wir uns nicht mehr nach dem Stand der Sonne oder den Sternen orientieren müssen, ist der heutige Ausschluss der Menschen von den Phänomenen am Himmel eine Kampfansage an unser Leben. In der Welt zu sein, ist nichts anderes als „im Licht sein“, wie der Schweizer Schriftsteller Max Frisch (1911 bis 1991) lapidar schrieb. In allen Kulturen wurden Sonne, Mond und Sterne personifiziert und vergöttlicht. Man wusste aus Erfahrung, dass ohne Sonnenlicht nichts gedeiht.

Die Globalisten wollen den Zauber der Natur durch ihre freudlosen lichtschwachen Monitore ersetzen. Eine manipulative Wetter-App ist aber kein Ersatz für eine Himmelsbeobachtung, sondern eine Falle. Smartphone und Tablet sind der matte Ersatz für unsere natürlichen Wahrnehmungen, die schon vielen Menschen abgehen.

Oder denen viele schon nicht mehr trauen. Tests, Umfragen und Modellierungen wüssten mehr über die Welt und uns selbst, will man uns Glauben machen. Dies gilt für alle Datensammler, die unsere Erkundungen der Welt verdrängen und uns an unsichtbaren Nasenringen führen wollen.

Es wird niemand kommen, der den Dieben des Himmels befehlen wird, uns aus der Sonne zu gehen. Das müssen wir schon selbst machen. Oder sind die meisten schon so depressiv, dass sie kein strahlendes Licht mehr vertragen?



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Quellen und Anmerkungen:

(1) Alfred Kubin: Die andere Seite. Ein phantastischer Roman. München, 1919
(2) Alfred Kubin: Die andere Seite. Ein phantastischer Roman. S. 51f. Reinbek bei Hamburg, 1995

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