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Kleidungstipps zur Musterung

Kleidungstipps zur Musterung

Ein Lied des Protestlied-Königs Yann Song King widmet sich auf amüsante und nostalgische Art dem Thema „Kriegsdienst“.

Die Frage nach dem Wehrdienst und in der Konsequenz danach, wie man sich diesem entzieht, begleitet die männliche Hälfte der Menschheit auf die eine oder andere Art vermutlich, seit es die ersten Auseinandersetzungen innerhalb unserer Spezies gab.

In Deutschland hatten wir nun eine Generation von Jugendlichen, die sich nicht mit Fragen danach auseinandersetzen musste wie:

  • Bin ich bereit, dieses soziale und politische Gebilde unter Inkaufnahme körperlicher Versehrtheit bis hin zum eigenen Tod zu „verteidigen“?
  • Wäre ich wirklich bereit, einen anderen Menschen, den ich nicht einmal kenne, zu töten, nur weil er in einer anderen Region der Welt geboren wurde?
  • Will ich mich einer Befehlskette unterordnen, deren Entscheidungen über Leben und Tod bestimmen, dabei aber oft weit entfernt und in strategischem Kalkül getroffen werden — entrückt vom einfachen Soldaten und seiner Realität auf dem Schlachtfeld?
  • … und unzähligen weiteren Fragen, die man sich in diesem Zusammenhang stellen kann.

Ich selbst gehörte zu einem der letzten Jahrgänge, die noch „gezogen“ wurden. Rund um den 18. Geburtstag herum gab es dann einen freundlichen Gruß per Post: Man möge doch bitte beim Kreiswehrersatzamt vorstellig werden und die Glückwünsche persönlich entgegennehmen. Und wenn man schon mal da sei, gebe es einen kostenlosen Gesundheitscheck und ein zwangloses Gespräch über Volk, Vaterland und Freiheit — wobei man sich mit diesen Buzzwords heute vermutlich etwas schwertun dürfte — sowie darüber, was man als junger Mensch dazu beitragen könne, diese zu erhalten.

Es gab einen Fragebogen für alle körperlichen und seelischen Leiden, denn man war ja um die jungen Menschen besorgt. Einen Hörtest, um festzustellen, dass man zumindest körperlich in der Lage zu sein schien, Befehle wahrzunehmen. Auch der künftigen Familienplanung wurde Rechnung getragen: „Beugen Sie sich vor und husten sie einmal“ — die männlichen Leser erinnern sich.

Ich weiß noch, wie ich bei der anschließenden Befragung hin- und hergerissen war. Einerseits war mein Plan, ausgemustert zu werden. Daher habe ich auf dem Fragebogen jede Allergie übertrieben, angeblich geraucht wie ein Schlot und alles angegeben, was mir sonst noch einfiel, um als nicht tauglich eingestuft zu werden. Andererseits kratzten die Suggestivfragen der Musterungskommission an der Ehre eines jungen Mannes, und die Aussicht, als Gebirgsjäger Skifahren oder als Fallschirmjäger Fallschirmspringen zu können und dabei auch ein bisschen zum Spaß rumzuballern, hatte schon eine gewisse Verlockung.

Gerade wenn man wie ich in einer Zeit aufgewachsen ist, in der Krieg eigentlich undenkbar war oder — wenn überhaupt — nur irgendwo anders stattfand, aber sicher nicht hier in Deutschland.

Der kalte Krieg war lange vorbei. Die ständigen Auslandseinsätze zeichneten sich zwar langsam ab, aber das betraf nur jene, die sich über den Grundwehrdienst hinaus verpflichten würden. Und wer sollte schon kommen? Die Russen?

Am Ende wurde mir die Entscheidung leicht gemacht: Tauglichkeitsgrad II — T2
Also keine Garde, kein Fallschirm und keine Ski.

Ich hatte ohnehin vor, zusammen mit meinem besten Freund Zivildienst zu leisten. Wenn ich schon mit den Kollegen saufen sollte, dann doch lieber in einem Club oder einer Kneipe, wo es auch Frauen gab und anschließend im eigenen Bett schlafen, ohne am nächsten Morgen von irgendwem angeschrien zu werden.

Also bediente ich mich einer der großen Errungenschaften unserer Nachkriegsrepublik: Der Kriegsdienstverweigerung.

Zu Anfang noch ein größerer Akt, bei dem es eine Gerichtssitzung gab, bei der richterlich über die Beweggründe des Musterlings entschieden wurde, ist dieser Prozess über die Jahre — vermutlich aufgrund der Kosten — mehr und mehr zu einem Formalakt geworden, der nur noch aus einem Schriftwechsel bestand. Meine „Begründung zur Kriegsdienstverweigerung“ wurde zwar in erster Instanz abgelehnt, aber eine Neufassung führte dann zu einem dauerhaften Ausschluss vom Wehrdienst.

Aus damaliger Perspektive war diese Frage eher einer philosophische, als eine bei der um es um das eigene Leben geht. Ein gutes Stück weit auch eine Frage der Bequemlichkeit. Aus heutiger Sicht wohl aber einer der besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens.

Im Zuge der heutigen Weltlage, des Fehlens diplomatischen Personals in Europa und den Schrecken des modernen Drohnenkriegs auf einem gläsernen Schlachtfeld wird die Frage nach dem Wehrdienst für junge Menschen nun wieder zu einem tatsächlich existentiellen Problem.

Daher möchte ich Sie liebe Leser einladen das nachfolgende Lied mit allen zu teilen, die selbst gerade Post bekommen könnten oder mit Freunden und Bekannten, die Kinder im fraglichen Alter haben:

Yann Song King - Kleidungstipps zur Musterung

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An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für den Zivildienst brechen. Aus heutiger Perspektive blicke ich gern auf diese Zeit zurück, denn diese Erfahrung schuf etwas, das ich für sehr nützlich halte. Sie gab jungen Menschen nach der Schule einen guten Start ins Erwachsenenleben. Für die meisten hieß das, zum ersten Mal außerhalb der Schule zu sein und eine Tätigkeit zu verrichten, für die man auch bezahlt wird — wenn auch sehr schlecht, aber für meisten war es dennoch das erste Mal eigenes Geld, abgesehen vom Taschengeld.

Ich selbst musste nun plötzlich mit einer Bandbreite von Menschen zusammenarbeiten, die ich als Gymnasiast niemals kennengelernt hätte. Das war eine Lektion in Demut, aber auch in Klassenlosigkeit die zumindest mir gutgetan hat. Und auch der Staat konnte in jedem Jahrgang von einer Vielzahl günstiger Arbeitskräfte profitieren, die gerade im Bereich der Pflege später merklich fehlten.

Gleichzeitig lernte man Verantwortung, Arbeitsbürokratie und was es generell heißt im Berufsleben zu stehen. Somit auch eine Zeit, nach der Schule noch einmal darüber nachzudenken, was man nun mit diesem Leben anfangen will. Als der Wehrdienst seinerzeit abgeschafft wurde, wurde die Chance versäumt, einen vergleichbaren Ersatz dafür einzuführen.

Da die musikalisch-humoristische Auseinandersetzung mit diesem Thema tatsächlich nicht neu ist, möchte ich gern noch als kleines Schmankerl den Soundtrack meiner eigenen Zivildienstzeit zum Besten geben:

T2wei (feat. Nico Suave & Dendemann)

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Quellen und Anmerkungen:

Um nicht falsch verstanden zu werden: Sich notfalls für die Verteidigung des eigenen Landes und seiner Bürger aufzuopfern halte ich für überaus ehrenwert und möchte niemanden in ein schlechtes Licht rücken, der sich seinerzeit anders entschieden hat.

Dieser Artikel richtet sich nicht das Konzept einer funktionierenden Landesverteidigung oder das Soldatentum, sondern gegen den Irrsinn einer Politik, die junge Menschen auf den Schlachtfeldern der eigenen Arroganz und Überheblichkeit opfert.

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