Frauen lieben Männer und Männer lieben Frauen. Meistens jedenfalls. Das ist eine frohe Botschaft, denn dies ist die Voraussetzung für den Fortbestand des menschlichen Lebens. Trotz aller Versuche, die Damen und Herren der Schöpfung zu spalten, ist die Liebe in Liedern, Filmen, Gedichten und Märchen kulturübergreifend das Thema Nummer eins. Und dennoch liegen Welten zwischen ihren Lebensrealitäten, und diese zumeist unbewussten Unterschiede führen nicht selten zur oben genannten Spaltung, zu Verständnislosigkeit und sogar zu Feindseligkeit.
Das Verhältnis der Geschlechter war selten so angespannt wie heutzutage. Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man in die sozialen Medien blickt. Die Situation dort mag nicht exakt der Realität entsprechen, hat aber zweifelsfrei Einfluss auf diese. Für jedes Phänomen findet sich mittlerweile ein passender Anglizismus. In feministischen Diskursen ist von „Victim Blaming“ die Rede, wenn versucht wird, die Schuld etwa nach einem sexuellen Übergriff auf das Opfer umzuwälzen, indem man beispielsweise danach fragt, welche Kleidung es trug und ob es den Übergriff damit nicht provoziert habe.
In der oft männlich geprägten Gegenbewegung findet sich der Begriff „Victimhood Culture“, der darauf abzielt, dass Frauen sich moralisch erhöhen, indem sie ihren Opferstatus betonen. Erzählt eine Frau davon, dass sie beispielsweise am Arbeitsplatz begrapscht wurde, findet sich schnell ein Mann, der einwirft, man könne Frauen ja heute nicht einmal mehr die Tür aufhalten, ohne als übergriffiger Patriarch zu gelten. Die Konsequenz dieses Diskurses ist, dass am Ende nichts die Aufmerksamkeit und Aufarbeitung erfährt, die es verdient, denn der Machtkampf hat begonnen.
Männer wissen oft nicht, wie unsicher sich die Frauen in ihrem Leben im Alltag fühlen — selbst wenn es um die eigene Partnerin geht.
Ja, oft ist es selbst den Frauen nicht bewusst, da sie es eben als völlig „normal“ empfinden, sich soweit wie möglich vor Übergriffen durch Männer zu schützen — und das oft sogar in der eigenen Familie und im beruflichen Umfeld, statt wie meist von Männern angenommen „nur“ auf der Straße.
Nicht wenige Männer wiederum fühlen sich durch die aufgeheizte mediale Stimmung verunsichert und ziehen sich von den Frauen zurück. Da ihre Privilegien für sie „normal“ sind und deshalb nicht als solche erkannt werden, fühlen sie sich zu Unrecht an den Pranger gestellt, anstatt hinzuschauen, was an den Diskursen des Feminismus vielleicht doch stimmt. So versäumen sie es oft, mit Frauen gemeinsam darüber nachzudenken, was sich ändern müsste, damit die Geschlechter auf Augenhöhe zusammenwirken können.
Viele Männer haben den Eindruck, dass Feministinnen mittlerweile ganz normale Alltagssituationen problematisieren, und fühlen sich dadurch eingeschränkt. Gerade mit Blick auf den Feminismus in sehr woken Kreisen ist dieses Gefühl nicht von der Hand zu weisen.
Doch während die Diskussion darüber, ob der Mann beim ersten Date denn zahlen darf oder nicht, noch immer in vollem und getriggertem Gange ist, steigt in Deutschland kontinuierlich die Zahl der Sexualstraftaten. Opfer sind meistens Frauen — jedoch nicht ausschließlich — und auch das erfährt wenig Beachtung; von sexualisierter Gewalt gegen Kinder ganz zu schweigen.
Hier wäre echter Feminismus notwendig. Doch was ist in den vergangenen Jahren aus dieser Bewegung geworden? Hat sie überhaupt noch die Schlagkraft und das intellektuelle Rüstzeug, um sich vehement für die echten Interessen von Frauen einzusetzen? Oder reicht es lediglich für einen online geführten Kleinkrieg gegen Männer?
Wer profitiert davon, wenn Männer und Frauen sich gegenseitig zerfleischen und beschuldigen? Diese Frage stellt sich bereits im Rückblick auf frühere feministische Errungenschaften. So berechtigt der positive Blick auf die erkämpfte Gleichberechtigung auch ist, hat sie zugleich eine wirtschaftliche Entwicklung begünstigt, die in den 1950er-Jahren — als ein einzelnes Gehalt in der Regel ausreichte, um eine Familie zu ernähren — nicht akzeptiert worden wäre.
Gerade in den konzernunabhängigen, machtkritischen neuen Medien wissen Autoren und Leser um die Strategien der Macht, die immer dann zur Anwendung kommen, wenn eine Bewegung das Potenzial hätte bestehende Machtverhältnisse zu erschüttern. Dazu gehört auch, dass Emanzipationsbewegungen von den herrschenden Kräften gezielt „gekapert“ und in ihrem Sinne instrumentalisiert werden.
Paradoxerweise sind „Freie Medien“ jedoch so auf Kritik an den Übertreibungen „woker“ Bewegungen wie #MeToo oder Gender fixiert, dass sie sich kaum damit beschäftigen, wie diese ursprünglich gedacht waren und welche Wahrheiten sie aufdecken konnten.
So wird beim Thema sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität häufig gegen Minderheiten geschossen, anstatt deren Argumente und Forderungen sorgfältig zu analysieren. Es wird nur bemängelt, dass ihre Anliegen missbraucht wurden, nicht aber gewürdigt, was dabei eigentlich missbraucht wurde.
Aus diesem Grund widmet Manova diese Sonderausgabe dem Themenfeld „Frau, Mann, Macht“, um verschiedenste Beiträge und Aspekte der Beziehung zwischen Frauen und Männern, die oft tabu sind, unter dem Teppich hervorzuholen und die Komplexität des Themas bewusst werden zu lassen.
Egal, ob hetero- oder homosexuell, es geht um die Unterschiede zwischen Männern und Frauen — ob sie nun biologischen Ursprungs sind oder durch unsere Erziehung entstanden. Wir möchten den Fokus bewusst darauf richten, um zu mehr Verständnis, Neugier und Zusammenhalt beizutragen.
Unsere Texte beschäftigen sich mit Menschenhandel, subtilen Formen der Übergriffigkeit, Gewalt gegen Männer, aber auch mit Ausprägungen weiblicher Macht und vielen weiteren Facetten dieses komplexen Themenfeldes. Trotz — oder gerade wegen — der starken Aufladung des öffentlichen Diskurses, wagen wir den Versuch, Zwischentönen besondere Aufmerksamkeit zu schenken und so Verständigung zu ermöglichen, wo sie dringend gebraucht wird.
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